Die Spannung steigt

Die Freunde haben wir getroffen. Es war schön mit ihnen, eine sehr schöne Woche.
Seit heute sind wir wieder Boat People.
Wir haben gebunkert, die Batterien sind geladen, Trinkwasser ist an Bord, der Tank ist voll.

Extra für uns kam ein Tankwagen vorbei!
Im Cafe Hafenblick schön gesessen und zugeschaut wie Einheimische in den Tönninger Hafen einfahren:
Bei steigendem Wasser einfahren, wenn man im Schlick festsitzt, warten bis der Kahn wieder schwimmt, weiter, bis man wieder fest sitzt und das so lange, bis das Wasser soweit gestiegen ist, dass man über die Flachstelle an der Hafeneinfahrt drüber kommt...

Als das Fußballspiel gegen Mexico beginnt, ist der Tönninger Hafen
fast ausgestorben, trotz Sonntag und schönstem Wetter
Inzwischen sind auch die Frikadellen für den morgigen Proviant gebraten, die Seekarten sind bereit gelegt und man brütet über denselben, den Gezeitentabellen und dem Hafenführer.
Fest steht, morgen früh um halb fünf geht es los, damit wir mehr oder weniger bei Hochwasser die Schleuse am Eidersperrwerk erreichen und uns dann das abfließende Wasser aus der Eider zieht.
Helgoland sollte gegen Nachmittag erreicht sein. Kann auch später werden, da die Windrichtung wie so oft nicht die günstigste ist... Wir werden sehen.
Wir sind jedenfalls schon sehr gespannt, wie es werden wird, wenn wir die Little Wing ² zum ersten Mal in die Nordsee steuern.

Die Gezeiteneider

Schleuse Nordfeld, wir liegen dahinter in dem netten kleinen Hafen des örtlichen Clubs. Es gibt weit und breit kein Restaurant, kein Café, nichts. Nur Ruhe.
Vor der Schleuse ändert sich die Eider völlig: Bis zur  Schleuse reicht der Einfluss der Gezeiten, also müssen wir zum ersten Mal für unsere Fahrt Ebbe und Flut berücksichtigen:
Man muss in Tönning möglichst mit der Flut ankommen: Da die Einfahrt sehr flach ist, braucht man das Hochwasser, um gut in den Hafen zu kommen. Die Flut kommt aber an unserem Übernachtungs-Hafen Nordfeld erst eine Stunde später an.
Also muss man bald nach Beginn der Flut losfahren und hat damit auf nahezu der gesamten Strecke das einströmende Wasser gegen sich.

Das macht sich auch gleich an der Geschwindigkeit bemerkbar, gerade einmal 3.6 kn erreichen wir anfangs, gegen Ende der Etappe, beim Eintreffen in Tönning haben wir, da die Flut ihren Höhepunkt erreicht hat, wieder unsere übliche Reisegeschwindigkeit von 5 kn.

(Umrechnung Knoten in Kilometer/Stunde: 1 kn = 1.852 km/h, überschlagsweise also einfach die Knoten mit zwei multiplizieren, und wenn man es ein bisschen genauer will, noch 10% abziehen; das Gleiche gilt für die Entfernung von Seemeilen in Kilometer)

Aber nicht nur das macht das Befahren ziemlich, sagen wir 'interessant', es gibt drei Brücken, die geöffnet werden müssen: Die Straßenbrücke und die Eisenbahnbrücke von Friedrichstadt und die Straßenbrücke von Tönning. Unten einige Bilder.

Nun haben wir erst einmal Pause, wir treffen uns mit Freunden und bleiben einige Tage hier.

Am 18.6. soll es weiter gehen "if weather permits"...

Die Schleuse Nordfeld

Straßenbrücke Friedrichstadt

Eisenbahnbrücke Friedrichstadt mit dem IC Hamburg - Sylt ...

... wird, nachdem vier Züge durchgefahren waren, für uns geöffnet

Schließlich noch die Straßenbrücke Tönning

Und dann so eine Ankunft! Der Hafenmeister hat uns
einen Platz reserviert. 

Festmachen am Schwimmsteg ...

... direkt vor dem Packhaus



80 Meilen; die bisherige Kanal- und Flussfahrt



Die Binneneider

Heute geht es Eider-Abwärts. Vor vielen Jahren mit Freund Jürgen auf der kleinen Little Wing schon gefahren. So ist diese Etappe eine Reise in die Erinnerung...

Straßenbrücke Pahlhude. Sonntags nur Rufbereitschaft.
Aber wenn man eine Stunde vorher anruft, klappt die Brückenöffnung

Sehr wenig Verkehr auf der Eider ...

... hin und wieder ein paar Kühe.

Im Hafen von Nordfeld. Vor uns die Schleuse, das Tor zur Gezeiteneider.

Nord-Ostsee-Kanal

Die erste Etappe unserer diesjährigen Reise hat begonnen. Heute ging es nach Kiel-Holtenau und in die Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal. Sehr spannend alles. Man kreist im sog.Wartebereich, bis am Signalmast ein weißes Licht blinkt, nicht weiß mit rot, nicht weiß mit grün, nicht nur grün, nur *ein* weißes Blinklicht.
Schließlich war es soweit und wir durften einfahren, die riesige Schleusenkammer war nur mit zwei Segelbooten und einem Schlepper belegt. Uns hat es gefallen, denn die Schleusung ging sofort los. Am Vortag hat uns noch ein Stegnachbar berichtet, dass ihre Schleusung zweieinhalb Stunden gedauert hat.
Die "weltweit meistbefahrene künstliche Wasserstraße für Seeschiffe" (Wikipedia), in welche mit wir mit großem Respekt einfuhren, entpuppte sich als sehr angenehm zu befahrendes Gewässer. Natürlich kamen einige große Pötte (sh. Fotostrecke) vorbei, aber es ist durchweg genügend Platz und die Kanalaufsicht sorgt mit klaren Worten dafür, dass nicht zu schnell gefahren wird "XY! Jetzt aber mal auf die Bremse treten!" (XY war nicht wir, sondern ein 120 m langer Frachter...)

Dicke Brummer im Gegenverkehr


Bald wird das Passieren der Pötte zur Routine
Im Bug gibt es kühlenden Fahrtwind

Ein historische Raddampfer ...

... und seltsame Schleppverbände ...

... begegnen uns

Nach 58 km Fahrstrecke im NOK erreichen wir die Schleuse zum Gieselaukanal und schleusen aus dem NOK aus.
In der Schleusenkammer


Vor uns bereits Eider-Wasser
Kurz nach 17 Uhr sind wir fest in Lexfahre in der Eider.

Im alten Fährhaus wird gespeist

Die erste Ausfahrt des Jahres!

Stadtrundfahrt vom Wasser aus. Nach vier Jahren sind wir zum ersten Mal nach Kiel reingefahren.

Alles recht gemütlich

Und netterweise Abfahrt um 14 Uhr ohne grosses Geblase

19 Meilen in der Förde, Segel gesetzt, geborgen, Motor an, aus und wieder an, alles scheint OK für die große Fahrt.

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War nix mit Freibier heute, verschoben auf morgen...

Morgen Freibier!

Endlich zurück auf dem Boot! Es war ein langer und harter Winter...
Aber es reiften Ideen, teilweise sind sie bereits verwirklicht.

Bugspriet/Plattform
Unsere SO 379 gibt es nicht mehr von Jeanneau. Klammheimlich wurde sie ersetzt durch die SO 389. Bei der ersten Sichtung war klar: Der Rumpf ist unverändert...
Man fand, was mich auch gestört hat, dass der Gennaker und/oder der Code Zero zu dicht am Fuß der Genua angeschlagen sind und hat die Öse einen Fuß (ca. 30 cm) nach vorne verlegt.
Eine gute Idee, denn die beiden Segel haben sich immer berührt und damit war dem Schamfilen das Tor geöffnet.
Unsere neue Schnauze ist unserer Meinung nach allerdings viel schöner, als die von Jeanneau, und länger...
Ein Genuabaum und ein Radarreflektor
 wurden installiert
Und ein Windgenerator soll sicherstellen, dass wir auch während wir segeln oder ankern die Batterien nachladen.

So. Und morgen wir es lustig. Es gibt Freibier bei Britt im Hafen von Laboe ...



Absegeln 2 - Nach der Flaute ist vor der Flaute

Am Samstag Crewwechsel, Niels kommt zum ersten Mal an Bord der Little Wing. Am Sonntag soll es los gehen.
Aber leider, so stark es letzte Woche gestürmt hat, so stark flaut es jetzt! Wir motoren auf glatter See - naja etwas alte Dünung stand natürlich noch - nach Marstal.

Wieder einmal ordentlich Verkehr auf dem Kiel - Ostsee- Weg
Südlich Langeland endlich ein kleines Lüftchen, sodass der Code Zero angeschlagen wird und wir ein bisschen Fahrt machen. Lange haben wir das Vergnügen nicht, schon bald geht es wieder unter Motor weiter.

Abendstimmung in Marstal
Nicht viel anders am Montag.

Glattes Wasser bei der Ausfahrt aus Marstal
Wir entscheiden uns, in die Flensburger Förde zu motoren, dann haben wir immerhin einen guten Ausgangspunkt für den für Dienstag vorhergesagten Westwind.
Immerhin gibt es in der Förde einiges zu sehen.

Die Alexander von Humbold II setzt gerade weitere Segel am mittleren Mast.
Die Jungs da oben freuen sich bestimmt auf ein Bier
Den netten Hafenmeister von Langballigau gibt es immer noch, er weist uns einen Platz zu und nimmt die Leinen an. Schön und lecker wars wie immer beim Odinfischer. Und überhaupt, der Hafen hat sich sehr herausgeputzt, neue Stege, Stromsäulen und Wasseranschlüsse mit Schlauch.

Dienstag endlich etwas Wind und wir können bei Leichtwind mit dem Code Zero die Flensburger Förde hinaus segeln und nach Süden abbiegen.

Schleimünde - der renovierte Leuchtturm in ganzer Pracht
Einmal (mit den dazugehörigen Schauerböen) abgeduscht erreichen wir Maasholm.

Heiter bis wolkig ist für Mittwoch angekündigt, der Seewetterbericht spricht von drei bis vier Windstärken und Schauerböen.
In der Nacht und morgens regnet es, wir suchen den besten Starttermin mit dem Wetterradar. Gegen 10:45 Uhr gehen die Leinen los, aus der Schlei zieht uns die Genua hinaus und alsbald sind Groß- und Vorsegel für den Kurs nach SW getrimmt.

Niels segelt uns zwischen Küste und Sperrgebiet hinab, über die Eckernförde und den Kiel-Ostsee-Weg.

Wir haben vorläufig Glück, eine fette Regenzelle läuft direkt vor uns durch, aber als wir vor Wendtorf die Segel bergen, werden wir doch noch vom Regen eingeholt.

Natürlich erwischt uns dann auch noch eine Schauerbö beim Anlegen, Wir lassen uns erst einmal längs an die Dalben vor den Boxen drücken und warten ab bis der Regen und die Böen nachlassen. Dann ein neuer Anlauf und wir parken rückwärts ein und liegen schön mit der Nase im Wind.
Es gibt trockenen Sherry zum Anlegeschluck
Zum Abschluss ging es bei Leichtwind über Kiel Leuchtturm nach Laboe
Eine Woche zwar mit einigen Regenschauern, aber im Großen und Ganzen mit guten Wetter. Wenig Wind, aber Niels war es zufrieden. So konnte er sich nach längerer Segel-Abstinenz wieder eingewöhnen.