Rendsburg - Kiel; zurück in die Ostsee

Die Sonne war heute gnädiger mit uns als gestern. Waren wir am Vortag in der sengenden Sonne fast vertrocknet, hatte es heute ein paar Schleierwolken, die die Kanalfahrt erheblich angenehmer machten.

Viele solcher kleinen Fähren sichern die Verbindung über den Nord-Ostseekanal

Schmucke Häuser mt Blick auf das Wasser

Sonnenblumenfeld bei Kanal km 89

Schleuse Kiel Holtenau - unsere letzte Schleuse

Im Ostseewasser, voraus unser vorläufig letzter Hafen
 Wir haben seit Tönning in 66 Tagen 2334 Seemeilen (~4300 km) im Kielwasser. Wir haben viel erlebt, viele Erfahrungen gesammelt, sehr viele nette Menschen getroffen.

Wir sind glücklich und stolz

Es wird sicherlich eine Aufarbeitung geben, aber wann diese eingestellt wird, ist noch ungewiss, wir sind nämlich mit Schwägerin und Schwager verabredet und am Wochenende auf eine Hochzeit eingeladen. Und das hat jetzt erst einmal Vorrang.

Über die Elbe bis Brunsbüttel, in den Nord-Ostseekanal bis Rendsburg

Heute ist der Tag der näheren Bekanntschaft mit der Großschifffahrt. Kaum sind wir aus der Marina von Cuxhaven ausgefahren, sind wir mitten zwischen den Brummis

Kaum aus dem Hafen kommt der erste Frachter auf uns zu.
Dank Flutstrom, der uns die Elbe hochzieht, sind wir zweieinhalb Stunden später vor der Schleuse Brunsbüttel.
Gerade schleusen viele Boote aus, ...
... was ein schönes Bild ergibt, als sie elbabwärts laufen.

Zunächst scheint es, als könnten wir gleich schleusen, aber dann werden wir angewiesen, auf die "waiting area" für Sportschiffe zu fahren. Eine halbe Stunde später erscheint das Einfahrsignal für Sportfahrzeuge, ein weißes Blinklicht, und wir fahren hinter einem fetten Frachter in die "Alte Nordost", so heißt diese Schleuse im Fachleute-Kauderwelsch.
Wir folgen Tanja in die Schleusenkammer und machen ihr gegenüber fest
Wir werden aufgefordert, als erste auszulaufen. Erst eine gute Stunde später hat Tanja uns einge- und überholt.
Reminiszenz an den früheren Arbeitgeber...
Die erste Brücke. Die Crew sitzt im bescheidenen Schatten des Masts.
Der Stinker im Bildhintergrund ist der mit Kohle befeuerte Dampf-Eisbrecher Stettin 
Dann folgt die Autobahnbrücke der A23. 
Die Autobahnbrücke... Hier sind wir 30 Jahre rübergefahren, als wir zu unseren Freunden nach Eiderstedt gefahren sind, um dort die Sommerferien zu verbringen. Oft genug haben wir mit den Kindern angehalten und Schiffe gekuckt. Heute fahren wir auf dem Boot unter der Brücke durch. Ein sehr emotionales Erlebnis.
Schleppverband mit (vermutlich) Windanlagenelementen. Wulf 7 zieht ...
... und Wulf 4 schiebt. ...
... Dann wieder Flusslandschanft.
Dann sind wir, auf etwas mehr als halber Strecke des Kanals, fest beim Büdelsdorfer Yacht-Club bei Rendsburg. man biegt aus dem Kanal ab und ist eine Viertel Stunde später in einer anderen Welt.

Für uns ...


das i Tüpfelchen auf den heutigen schönen Tag

Jade-, Weser- und Elbmündung bis Cuxhaven


Um acht Uhr ist Hochwasser, da soll man über das Flach fahren, wenn man das Wattfahrwasser befahren möchte. Bis dahin ist es eine Stunde Fahrt, bis wir fertig sind, der Kaffee gemacht, das Schiff klariert und alles fürs Ablegen vorbereitet ist nochmal eine Stunde - schon wiederum sechs Uhr morgens aufstehen ...
Die Fahrt durchs Watt in der Morgenstimmung ist wunderschön und versöhnt uns mit der frühen Uhrzeit.
Diese ganzen Flussmündungen sind allerdings nicht besonders beeindruckend, weit und breit Wasser, aber nach Osten hin schnell extrem flaches Wattenmeer, man muss ständig aufpassen, nicht in flaches Wasser zu kommen. Wenn es aber einmal passiert, ist sofort "Scharhörn Radar" da und warnt, dass man sich in "shallow water" befindet und doch besser über backboard abdrehen sollte. Und das im vermeintlichen Niemandsland, wo weit und kein Mensch zu sein scheint.

Idyllisch von den ersten Sonnenstrahlen erhellt liegt der Hafen von Langeoog im Kielwasser

Fischer mit Myriaden von Möwen, die auf Beifang hoffen ...

... und schlafende Seehunde und wieder viele Vögel am Ostende von Langeoog

Bei einem leichten dreier Wind geht es mit dem Code Zero zügig voran ...


... bis das leise Lüftchen sich auch noch verzieht und wir wieder einmal öliges Wasser haben



Immerhin, als wir die Elbe hochfahren, wird es lebendig und wir haben etwas zum Schauen...

Gerade verlässt der Lotse die MOL ...

... während die Svendborg schwer beladen zum Nord- Ostseekanal fährt

Ob da tatsächlich ein Airbus drin ist?

Jedenfalls ganz schön viel Verkehr auf der Elbe.

Wir sind positiv angetan von Cuxhafen

Das Lotsenviertel ist jedenfalls sehr schön



Zum Schluss entdecken wir noch diese Hausinschrift....



Langeoog: Bleiben oder weiterfahren?

Der Wecker hat uns heute Morgen um sechs hart getroffen. Dabei war gar nichts besonderes am Vorabend. Naja, wie auch, der Hafen von Borkum ist eher von trister Natur. Aber der Reihe nach.

Eigentlich wollten wir ja zum Wassersportverein Burkuna, weil der Internet Auftritt so nett ist. Und vor allem wollten wir ins Hafencafe Burkuna. Man liest sehr viel Nettes über das Hafenmeister-Cafe-Betreiber-Paar. Aber es gab keinen freien Platz mehr. So mussten wir am ungepflegten Nothafen des Wasser- und Schifffahrtsamts festmachen. Bezahlen kann man nicht, Wasser oder Strom gibt es auch nicht und man hat die Aussicht, am nächsten Morgen, wenn der Beamte kommt, weggescheucht zu werden.
Das erfahren wir von Jackie im Burkuna Cafe, und dass es weit und breit keine Einkaufsmöglichkeit gibt. Sie verkauft uns freundlicherweise noch ein Päckchen Lieken Urkorn Vollkornbrot, da wir auf dem letzten Kanten Brot angelangt sind. Ob wir sonst noch was bräuchten, Butter, Milch oder so was? Nein, vielen Dank, nur das frische Brot geht zur Neige.
Wir werden, wenn wir hier wieder vorbei kommen auf jeden Fall bei Jackie und Heiko Halt machen!

Das Vollkornbrot schmeckt nach fast zwei Monaten Baguette und/oder Croissant heute Morgen ganz vortrefflich! Nochmals vielen Dank, Jackie!
Und vom WSA haben wir auch keinen gesehen, denn die Tiede hat uns diktiert, den Hafen um halb sieben zu verlassen.

Schließlich müssen wir wieder gut zwei Stunden zurück und hinaus aufs freie Wasser fahren, bevor wir endlich nach Osten eindrehen können. Dabei gibt es Wind gegen Strom, eine sehr ruppige Angelegenheit. Zum Glück in Maßen (meint: keine Sturmstärken), aber gut, dass wir wenigstens den Strom mit uns haben.

Auf dem Weg nach Osten, wie die Tage zuvor, gibt es Rückenwind. Es geht, wie es sich bewährt hat, nur unter Genua flott dahin.

Kurz vor der Ansteuerung Langeoog stellt sich die Frage hier bleiben oder weiter fahren? Ein Anruf beim Hafenmeister bestätigt, es gibt noch genug Platz in der Marina, aber wegen der Barre solle man auf halbes Wasser zwischen Ebbe und Flut warten, das sei dann sicher um einzulaufen. Spiekeroog, die nächste Anlagemöglichkeit, fällt trocken, die genauen Zeiten sind nicht berechnet. Als dann auch noch das Handy bimmelt und die Freunde berichten, dass sie auf Langeoog sind, fällt die Entscheidung.

Auch er wartet
Vor uns ein offensichtlich einheimischer Segler. Wir rufen ihm ein paar Fragen zu. Er hat 1,2 m Tiefgang, also zehn Zentimeter mehr als wir. Er dreht gerade ab und fährt ein.
Ein großes Fischerboot kommt heraus und befährt die Engstelle. Es hat laut AIS Signal einen Meter Tiefgang.
Also kann man jetzt hinein. Wir messen vier Stunden vor Hochwasser drei Meter Tiefe an der flachsten Stelle.
Wieder sind wir auf Langeoog angelandet und haben die Freunde getroffen. Wir haben einen schönen Abend miteinander in der Kombüse verbracht. Sehr guter Fisch!


Titel Inspiration: The Clash

Borkum

Was für eine Überfahrt! Erst geht es 15 Seemeilen "rückwärts", d.h. nach Westen, obwohl unser Ziel ist, ostwärts Strecke zu machen, dann endlich weitere 14 Meilen nach West; dreieinhalb Stunden später sind wir am gleichen Punkt, wie in der Früh um halb sieben, als wir los fuhren --- natürlich ein paar Meter nördlich, im freien Wasser.

Ein Drittel des Tages "vertan", aber seglerisch hat alles gepasst und schließlich ist der Weg das Ziel 

Toll! Unter Genua gehen wir sechs bis sieben Knoten!

60 Meilen mit einem Schnitt von 6,6 kn - das hatten wir auf dieser Reise noch nicht!
Der Hafen von Borkum. 

Ameland die Zweite

Wie auf dem Herweg ging es heute durch das Wattenmeer zurück nach Ameland. Rückenwind mit vier bis sechs Beaufort, einzelne Böen haben wir mit sieben gemessen. Man muss konzentriert fahren. Also gibt es nicht so viele Bilder. Genauer gesagt, es gibt nur ein Bild ...

Los geht es von Ameland um 10:30 Uhr... Hätten wir nur den eigenen Berechnungen und dem Rat des Hafenmeisters vertraut: Drei Stunden vor Hochwasser (14:30 Uhr) soll man mit unserem Tiefgang von 1,10 Meter los fahren. Ergebnis: Schon am ersten Flach dürfen wir eine Pause von 45 Minuten einlegen, da wir nicht drüber kommen...
Das zweite Flach schaffen wir gerade so, ganz leicht spüren wir den sandigen Grund ein, zwei Male.
Dazu kommt: Dank des Rückenwinds fliegen wir mit sechs bis sieben Knoten Geschwindigkeit dahin! Langsamer geht nicht, sonst kann man nicht mehr steuern.
Am dritten Flach, dem Blauwe Balg, entscheidet der Skipper, einen Umweg zu nehmen: Wir sind wieder zu früh, der Wind bläst mittlerweile konstant mit sechs Beaufort, es hat auch Welle, so will man nicht fest sitzen und auf tieferes Wasser warten.
Also geht es hinaus ins freie Wasser. Dabei muss präzise das Fahrwasser eingehalten werden, rechts und links sieht man "Overfalls", heftig brechende Wellen, die bei Wind gegen Strom entstehen.
Wir rauschen mit Halbwindkurs mit hoher Geschwindigkeit das Fahrwasser hinaus, halsen und zurück geht es wieder flott mit halbem Wind hinunter am "Kopf" von Ameland (westlicher Teil der Insel) hinunter in das Fahrwasser nach Nes, dem Hafen von Ameland.
Der Hafen, vor zwei Monaten fast leer, ist nun voll. Aber auch heute kommt der Hafenmeister uns auf dem Steg entgegen und weist uns einen Platz im Päckchen zu. Der einzige Nachteil: der Wind steht mit fünf bis sechs Beaufort querab. Der Versuch mit dem Bug halbwegs in den Wind zu liegen zu kommen scheitert schnell. Eben dieser Bug ist so nicht zu kontrollieren. Also raus und rückwärts mit viel Speed. Dank zwei jungen Männern, die unsere Leinen entgegen nehmen, gelingt das Anlegen.
Es hat heute einen Schnaps und ein Bier gebraucht...
Nach sechs Stunden Fahrt fühlen wir uns "reif für die Insel", gehen ein paar Schritte zum Vishandel Metz und essen - wie auf dem Hinweg - Fischpaella. Es war wieder ganz hervorragend, gut gekocht, nicht fritiert...

Markierung links 45 Minuten Wartezeit; Markierung rechts: Der Blauwe Balg. Bei gutem Wetter spart er zwei Stunden Fahrt. Heute erscheint es angebracht, den Umweg in Kauf zu nehmen

Ost-Ende des Blauwe Balg; wir haben den Umweg in nur 90 Minuten abgearbeitet.

Ein schönes Tier wurde dann noch beim Abendspaziergang durch Nes entdeckt. Wie viele Hufeisen das sein mögen?


Durch das IJsselmeer in die Waddenzee

Mit einer Entschädigung zum gestrigen trüben Anblick verabschiedete sich heute das IJsselmeer von uns mit strahlendem Sonnenschein und einem schönen dreier Halbwind, der uns rasch an die Zandwerder Schleuse führte und hinaus ging es auf das Wattenmeer.

Die Sonne blieb uns heute den ganzen Tag treu, aber dennoch war alles direkt hinter der Schleuse anders. Rechts und links gab es Sandbänke, die trocken fallen und die es zu vermeiden galt und es gab einen Flutstrom, der dem Segel half uns zu ziehen und wir rauschten teils mit über acht Knoten dahin.

Ergebnis: Die Fahrrinne wurde immer untiefer, bis wir sanft auf nullkommanull Knoten abgestoppt wurden. Wir saßen im Schlick fest.
Segel einholen, eine Viertelstunde warten, Motor auf volle Kraft rückwärts, wir kommen frei, wenden und der Anker fällt. Erst jetzt realisieren wir, dass das 50 Meter entfernte Plattbodenschiff ebenfalls vor Anker liegt und auf steigendes Wasser wartet. .
Ein Katamaran fährt gemütlich an uns vorbei, er hat nur ganz wenig Tiefgang.

Wir essen zu Mittag. Das Wasser steigt, aber der Skipper bezweifelt, ob die restliche Zeit noch reicht das Flach zu überwinden, bevor das Wasser wieder fällt.
Die Wassertiefe wird mit dem langen Enterhaken gemessen. 1,6 Meter an unserem Ankerplatz. Als ich dann feststelle, dass der Tiefenmesser 2,3 Meter und damit 70 cm zuviel Wasser unter dem Kiel anzeigt, ist der Entschluß schnell gefasst: Umkehren, eine Stunde zurück nach Harlingen und hoch nach Terschelling.

Auf dem Weg zurück wird gegrübelt: Wie kann es sein, dass der Tiefenmesser so falsch anzeigt? Immer wieder einmal wurde er überprüft und schien richtig anzuzeigen? Die Antwort bleibt für heute offen.

Immerhin gestaltet sich die Fahrt von Harlingen nach Terschelling noch einmal recht sportlich. Und den Hafen und das schöne Städtchen kennen wir ja schon, da kann man es aushalten.

Tschüß IJsselmeer!
Die Schleuse am Kornwerderzand ist voll, nie im Leben hätten wir gedacht, ...

... dass es für uns noch Platz gibt. Aber die Schleusenwärter haben ein gutes Auge und verstehen  ihr Handwerk!
Uns kommen Sandberge ...

... und anderes Schüttgut entgegen.
Vor Anker auf das Hochwasser warten: Neben uns ein weiterer Ankerlieger, im Hintergrund ein kleineres Boot, das festsitzt ...

... der Katamaran hat keine Probleme mit dem Tiefgang und fährt genüsslich an uns vorbei.

Zurück vor Harlingen; das Wasser schäumt von den vielen Frachtern, Klein- und Großschiffen sowie Fähren und Schnellfähren! Immerhin gibt es eine separate Spur für "small craft"