Durch den Noordzeekanaal nach Amsterdam

Einmal muss man den Noordzeekanaal machen, vor allem wenn man "sowieso" gerade da ist, rieten uns die Hafen-Bekanntschaften, die Holland seglerisch kannten. Heute war der Tag dafür: Wir lagen in Ijmuiden in der Seaport Marina, also direkt am Beginn des Noordzeekanaals, das Wetter war OK, nicht zu heiß und kein besonders guter Segelwind.

Der Kanal führt uns durch riesige Hafenanlagen mitten in die Stadt

Um halb zehn geht es los. Gleich hinter der Marina kommt eine Schleusenanlage von vier Schleusen. Drei sind für die Berufsschifffahrt bestimmt und die südliche "Kleine Sluis" für die Sportschifffahrt. Heute werden wir allerdings gemeinsam mit einem Schlepper durch die "Zuidersluis" geschleust.

Man ist nicht allein auf dem Weg zur Schleuse. Das wird auch im Kanal so bleiben
Seltsame Gebilde sind zu sehen, im AIS als "anderes Fahrzeug" benannt

In der Schleuse. Noch fahren Schiffe ein, ...
... während wir ganz vorne neben dem Schlepper zu liegen kommen. Der Hersteller nennt das werbewirksam einen "Water Tractor"
Auch in Holland will man Ski fahren ...



Teils begegnen wir auch richtig großen Pötten

Fahrzeuge zu Lande zu Wasser und in der Luft.

Immer wieder große Hafenanlagen

Schönes altes Hafengebäude, moderner Kran.

Typisch Holland?
Wir machen in der Amsterdam Marina fest. Die Marina nutzt das Gelände der früheren NDSM Werft.
Ganz in der Nähe gibt es eine kostenlose Fähre ins Stadtzentrum auf der anderen Seite des Kanals
Schickes Hafenkontor mit Restaurant

Warum alles abreißen, wenn man ein Bürohaus darauf bauen kann? 
Nach einer kleinen Stärkung und der Mittagsstunde geht es mit der kostenlosen Fähre in die Stadt
Botel, Hotel auf dem Boot

Interessante Gebäude ...

... finden sich entlang ...

... der kurzen Strecke ...

... zum Centraal, dem Hauptbahnhof Amsterdams


Ziemlich viel Betrieb im Vergleich zu unserem ersten Besuch vor sieben Wochen ...

... Aber es gibt auch ruhigere Ecken, allerdings sollten die schiefen Häuser besser nicht umkippen

 Nach leckerer Pekingente in Chinatown geht es zurück auf das Boot, Beine hochlegen und alsbald ins Bett.


Ijmuiden, die Zweite

Nach dem langen Ritt von gestern geht es heute nur 27 Seemeilen bis nach Ijmuiden, wenn man so will, dem Hafen von, oder vor, Amsterdam.

Die Bedingungen waren praktisch gleich wie gestern: West 3/4, allerdings war die See heute deutlich ruppiger, da in der Nacht der Wind stärker geblasen hatte. Wir waren mit der kürzeren Distanz für heute zufrieden.
Wir kommen kurz vor 16 Uhr in der Seaport Marina Ijmuiden an und sind regelrecht erschrocken: gähnende Leere am "Passanten" Steg. Im Hafenkontor gibt es Aufklärung. Am kommenden Montag fängt in Holland und eine Woche später in NRW die Schule wieder an, die Saison geht hier zu Ende... 
Immerhin, bis zum Abend füllen sich dann doch noch einige Boxen.

Wir sind auf unserer Reise zum zweiten Mal hier. Das geschah bisher nur in Roscoff und eben hier in Ijmuiden. Beide Male  kreuzen sich die Hin- und die Rückroute.

Morgen soll es durch den Noordzeekanaal nach Amsterdam gehen.

Wir werden berichten.


Scheveningen


Der Tidenstrom ist zur Zeit etwas ungünstig für uns. Perfekter Abfahrtszeitpunkt wäre 13 Uhr Mittags. Scheveningen, unser nächstes Ziel, liegt 60 Seemeilen nördlich. Zehn Stunden, wenn es nicht so gut läuft 12 Stunden, muss man rechnen. Aber es war raumer Wind mit vier bis fünf, in Böen sechs Beaufort vorhergesagt. Trotzdem mahnt die Crew zur Eile, schließlich bedeutet jede frühere Meile auch früheres Ankommen.

Bereits um elf Uhr verlassen wir die Marina Cadzand Bad 
Platz gab es in der erst vor einem Jahr geöffneten Marina mehr als genug. Direkt neben dem Hafen gibt es einen großer Sandstrand, Brigitta war schwimmen und kam begeistert zurück. Und am Morgen entdeckte sie noch den kleinen Ort mit einer Schlemmer-Bäckerei vom Feinsten.

Ein interessantes, im AIS als "baggerndes Fahrzeug" tituliertes Gebilde. Offensichtlich hat man bei Hochwasser die vier Stelen auf den Grund abgelassen und fixiert. Sechs Stunden später ist das Wasser weg und man hängt in der Luft. Warum man das macht, bleibt unklar
Der Wind bläst wie vorhergesagt, vier bis fünf Beaufort, am frühen Nachmittag auch zwei Stunden mit sechs Beaufort. So kommen wir anfangs, als der Strom noch gegen uns läuft dennoch gut voran und als dieser endlich kentert wird der Tag zur Rauschefahrt!
Ganz leicht nieselt es ab und an, aber im Westen hängen die Wolken tiefschwarz, während die Bewölkung zur Küste hin aufgelockert ist. Letztendlich zog das Wetter schneller als wir im Westen an uns vorbei und wir bekamen am Spätnachmittag noch Sonnenschein.
 Der Großteil der heutigen neun Stunden Fahrt bestand in der Querung des Rhein-Maas-Deltas.
Rund 47 Seemeilen sind vor dem Delta zu queren

 Immer wieder begegnen wir Frachtern, die in einen der Rhein- oder Maasarme einfahren ...
... während im Westen über ein Dutzend Pötte auf Reede liegen.
Schließlich kommt noch der nördlichste der Mündungsarme, die Maasmündung. Hier hinein geht es in erster Linie zum riesigen Europoort. Wir befahren, wie auf dem Weg nach Süden bereits Ende Juni, wieder den "Recommended Crossing for Small Craft". Dieser Weg ist zweispurig, mit Rechtsfahrgebot über eine Länge von fünf Seemeilen, also eine knappe Stunde bei unseren prima Bedingungen. Wie alle anderen melden wir uns mit Position, Fahrtrichtung und Geschwindigkeit an.
Den einlaufenden Frachter sollen wir vor seinem Bug kreuzen, ...
... das auslaufende Containberschiff, ebenfalls "if we can speed up a little bit"

Wir sind jedenfalls froh, als wir die beiden Brummer hinter uns zu liegen bekommen und sind den Lotsen der "Maas Entrance" dankbar für die Wegleitung.
Zwei Stunden später laufen wir Scheveningen an. Ein sehr großer, aber auch verwinkelter Hafen
Man läuft zunächst mit 156° zwischen die Wellenbrecher in den Buitenhaven, dann mit 131° in den Voorhaven, schließlich nach Nordost in den Ersten Hafen, wo wir die Leinen und Fender richten, ...

... und diese Inschrift ist das Einzige, was wir von der Ankunft des Volvo Ocean Race noch vorfinden. ...

... Weiter geht es durch einen engen Kanal in den Zweiten Hafen ...

... wo wir im Visitors Bereich einen Platz im Päckchen als dritte finden. Das scheint das Beste aller Päckchen zu sein: der Innenlieger will morgen um neun Uhr los; das ist viel besser, als die anderen angefragten, die um vier, fünf oder sechs Uhr schon los wollen :-)
61 Seemeilen in neuen Stunden, ein toller Schnitt. Etwas erschöpft aber immer noch schmunzelnd gibt es heute ein Bier und einen Schnaps als Anlageschluck.

Belgien in fünf Stunden

Die Küste von Belgien ist nicht besonders lang, Nieuwpoort liegt kurz hinter französischen Grenze und unser heutiges Ziel, Cadzan-Bad liegt unmittelbar hinter der belgischen Grenze bereits in Holland.
Am Vormittag gab es noch einen kurzen Ausflug auf die Promenade von Nieuwpoort und ins Städtchen.

Der Polgänger. Er scheint von hier zu sein, wir haben die belgische Inschrift nicht lesen können

Los geht es etwas vor dem kenternten Strom kurz nach Mittag.
Hunde auf dem Pfosten?

Sonntag Morgen, wir sind nicht alleine...
Raumwind von vier bis fünf, in Böen sechs Beaufort.
Wir fahren nur unter Genua, nehmen den Strom mit und kommen mit deutlich über sechs Knoten voran.
Der Versuch, die Genua gegen den doppelt so großen Code Zero zu tauschen, dauert kaum zwei Minuten, als eine Bö hineinfährt, befürchten wir, er explodiert und schon ist er wieder eingerollt. Es bleibt bei der Genua...
Seltsame Konstruktionen werden über das Wasser gezogen.
Schließlich sind wir fest in Cadzand-Bad
Eine nagelneue Marina, die in 2017 eröffnet wurde.
Es gibt zwar "nichts dahinter", aber es ist ein perfekter Stoppover.
Es geht nicht tief ins Hinterland, und es hat einen perfekten Strand direkt um die Ecke.

Es herrscht klare Sicht nachdem der Regen ging - die Überfahrt auf das Festland

In Süd Sussex soll es gestern 95 mm Regen gegeben haben. Einen kleinen Teil davon hatten wir während unserer Tour durch Dover abgekriegt, der Großteil ging allerdings erst am späten Nachmittag und Abend nieder, als wir schon wieder zurück auf dem Boot (alle Schoten dicht) waren.

Es ist kühl heute morgen, aber die Luft ist ganz klar, der Regen hat sich verzogen. Wir sprechen uns mit der Port Control ab und können um 10 Uhr ohne Verzögerungen den Hafen verlassen, was eine gute halbe Stunde dauert.

Der Dover Hafen ...
... ist ein Labyrinth für die Sportschiffe ...

... und eine Bild von den Kreidefelsen ohne mindestens eine Fähre zu machen ist heute Morgen schier unmöglich 

Kaum aus dem Hafen können wir die Konturen von Frankreich erkennen
Wir sind nicht die einzigen, die heute Vormittag auslaufen Port Control bittet sogar die Fähren um Rücksichtnahme "many yachts are currently leaving the harbour"
Fähren im Westen ...

... und Kreidefelsen im Norden bestimmen das Bild der nächsten Stunden
Wir erreichen das Verkehrstrennungsgebiet (VTG) in unter zwei Stunden. VTGs sind senkrecht zu queren, um unklare Situationen mit der Großschifffahrt zu vermeiden. Die Kähne haben in den VTGs wie auf den Autobahnen zwei Spuren in jede Richtung, es herrscht Rechtsverkehr, allerdings ist die schnelle Spur in Fahrrichtung rechts, so sind die "Raser" am weitesten voneinander getrennt...

In der markierten Sperrzone zwischen den Richtungsfahrbahnen des VTG
Nur vier Pötte mussten wir etwas genauer im Auge behalten.
Nach 90 Minuten hatten wir das VTG überquert und konnten Kurs Nordost legen.

Wir hatten ja beabsichtigt, nach dem ersten August Frankreich den Franzosen zu lassen, also fuhren wir an Calais und Dünkirchen ohne Stopp vorbei.

Auch die etwas merkwürdige Meerjungfrau von Dünkirchen konnte uns nicht aufhalten
Stattdessen fahren wir den Hafen von Nieuwpoort an, der sehr geschützt etwa zwei Kilometer im Landesinneren liegt.
Es geht durch einen schmalen ausgebaggerten Kanal ...

... zum Liegeplatz, ...

... bei der herrschenden Ebbe geht es steil hinunter.
Neuneinhalb Stunden Fahrt, 58 Seemeilen. Wir beschließen, im Clubhaus des Königlichen Yachtclubs von Nieuwpoort zu essen. "Vol au Vent", Hähnchenpastete, weiße Soße , Weinschaum und *belgische* Pommes. Alles ganz hervorragend!

Titel Inspiration: Johnny Nash