Tag 44 - Hanöbucht

Für den ganzen Tag war Westwind mit fünf bis sechs Windstärken vorhergesagt. Dazu schönes Wetter. Ideal also für eine Fahrt durch die Hanöbucht. Nun, wir hatten die Insel Hanö als Ziel ausgekuckt, was etwas östlich von Nord liegt und der Wind kam auch ein bisschen südlicher als West. Das heißt, er kam etwas von hinten, nicht halb wie erhofft, sondern leicht raum (Kurse zum Wind sind hier erläutert).
Die Windrichtung blieb den ganzen Tag über konstant, sodass wir wie auf Schienen direkt auf das Ziel zuhalten konnten.


Die Windstärke legte allerdings noch etwas zu und gegen Mittag maßen wir 6, in einzelnen Böen 7 bft.
Wenn auch wegen hoher Wellen etwas holprig, kamen wir sehr flott voran.

Kurz vor der Ansteuerung nach Hanö

Auch im Hafen steht Schwell. Und einige der Reifen, die man freundlicherweise weiß gestrichen und als Puffer an die Kaimauern gehängt hat, sind zu hoch montiert. Unsere Scheuerleiste läuft über einen solchen Reifen, und als das Boot im nächsten Wellental nach unten geht, bleibt die Scheuerleite am Reifen hängen und zersplittert...

Die Reststücke und Schrauben müssen heraus
Sieben Tonnen Boot ziehen an der Scheuerleiste nach unten. So hat es die Schrauben verbogen
Ärgerlich, ohne Scheuerleiste wäre nichts gewesen. Aber man darf nicht vergessen, wie viele Male sie schon ihren Dienst getan hat, ohne dass es am Rumpf auch nur einen Kratzer gegeben hat. Das kurze Stück wird ersetzt werden und dann kann wieder auf ganzer Länge gescheuert werden ...

Während der Instandhaltungsmaßnahmen erkundet Brigitta die Umgebung und berichtet von einer 70 m hohen Erhebung, von der man einen fantastischen Ausblick in die Hanöbucht hat.

Der Skipper schafft es heute allerdings nur noch bis in die Hafenkneipe, wo wir gebratenen Hering mit Kartoffelbrei essen. Sehr lecker.


Tag 43 - Heißer Ritt nach Simrishamn

Wind aus SW mit 4/5 bft, leicht rechtdrehend auf W und etwas zunehmend auf 4/6 bft war uns angekündigt, mit Regentropfen gegen 14 Uhr.

Kurz vor elf Uhr gingen die Leinen los, Winke, Winke mit der Sottje-Crew, dann kam die erste Aufgabe, wir mussten an der Opti-Regatta des örtlichen Segelclubs vorbeikommen. Mit gedrosseltem Motor und großem Bogen ging es an den Mädchen und Jungs vorbei.

Die zweite Aufgabe bestand im Motoren. Von vier oder fünf Windstärken war nichts zu merken - vorläufig. Währenddessen allerdings stimmte die Vorhersage betreffend Regentropfen, wenn sie auch früher als erwartet kamen. Aber es war nur ganz wenig, eine halbe Stunde später war das ganze Cockpit schon wieder trocken.
Die Windsituation näherte sich gegen zwölf der Vorhersage an und als wir bald nach 13 Uhr vor Sandhammeren, dem südlichsten Punkt Schwedens segelten, war das Großssegel um zwei Reffs verkleinert und auch die Genua war teilweise aufgerollt, sodass sie gerade nur noch bis an den Mast reichte.
Dann ging es um die Ecke, Kurs NNO und nun ging bei halbem Wind die Post ab. Konstant über 6 kn, vielmals 7 und ab und zu über 8 kn und einmal war die Geschwindigkeit auch zweistellig.

Bilder gibt es keine, der Skipper war mit Steueren beschäftigt und die Crew sah sich alles vom Salon aus an.

Aber doch, einen Schnappschuss gab es noch, in Branteviks Hamn, kurz vor unserem Ziel Simrishamn, habe ich das AIS Signal von einem Segelboot namens Galene ausgemacht:

Eine "Galene" im Hafen von Brantevik
Das ist deshalb für uns besonderes, weil unser erstes Segelboot, in Eignergemeinschaft mit Freund Pegge, eine 5,5 m lange FAM, den Namen Galene, "ruhige See" trug. Leider sah man nur den Mast über die Kaimauer emporragen, diese Galene war definitiv größer als fünf Meter fünfzig...




Tag 42 - Stehtag in Ystad

Gruselig ist hier in Ystad trotz Wallander überhaupt nichts. Ystad hat sich uns als sehr schöne Stadt mit langer Geschichte gezeigt.

Das große Theater

Alte Fachwerkhäuser ...

.... mit Verzierungen ...

... und dem typischen, hier exterm überstehenden Obergeschoss

Das alte Kloster, von dem seit der Reformation nur noch zwei der vier Flügel stehen.

Und dann haben wir noch unsere Segelbekanntschaft von letztem Jahr getroffen, Gisela und Herbert mit der Sottje! Sie kamen von Osten, wir von Westen und treffen zufällig am gleichen Tag in Ystad aufeinander!
Nachmittags gab es auf ihrem Sonnendeck Kaffee und selbst gebackenen Kuchen, abends dann bei uns im Cockpit ein, zwei Gläser Wein.
Es gab viel zu berichten, sie waren letzten Sommer in Kaliningrad und St. Petersburg, wir berichteten von Nordfinnland und Haparanda.
Ein schöner Nachmittag und Abend.

Tag 41 - Gruselig ...

... und sehr makaber heute. Nicht in real life, sondern im TV, wir sind in Ystad, der 'Heimat' von Kommissar Wallander gelandet.

Viertel vor neun gingen die Leinen los, eine Stunde gegen den Wind nach Süden, dann mit Rückenwind Richtung Ost.
43 sm später wählen wir aus vielen freien Plätzen im Stadthafen von Ystad unseren Liegeplatz: Wie so oft, ganz in der Nähe der Hafeneinfahrt. Wir fanden einen grünen (= grünes Schild = freier) Platz zwischen einheimischen Booten. Mitten drin und gleichzeitig sehr ruhig. Bis Unruhe aufkommt ...
Der Seenotrettungskreuzer läuft mit Blaulicht aus.


Wie wir von Stegnachbarn, die gerade eingelaufen sind, erfahren, ist ein großer Zweimaster mit Tiefgang von 2,95 m unmittelbar vor der Hafeneinfahrt auf Grund gelaufen. Sehr professionell gehen die Leute vom schwedischen SAR vor, stellen eine Leinenverbindung her und ziehen das Schiff vom Schlick herunter.

Die Retter begleiten das havarierte Boot in den Hafen und warten bis man festgemacht hat. Erst dann drehen sie ab und fahren zurück an ihren Liegeplatz. Wir, und viele andere applaurieren.

An Bord gibt es frischen Dorsch, Brokkoli und Rosé. Erster Eindruck: Schön hier.

Tag 40 - Gegensätze ziehen sich an

33 sm hoch am Wind kreuzend, das geht im Øresund - wenn der Wind aus der richtigen Richtung kommt. Das war heute also der zweite Teil der Kreuzfahrt durch den Sund. Die Windsituation war insgesamt etwas angenehmer als gestern, wir hatten kaum einmal über 20 kn und die See war mit 50 cm mittlerer Wellenhöhe problemlos.


Es war eine tolle Fahrt mit viel Sightseeing: Zuerst die über Nacht angekommenen Kreuzfahrer


Dann die Flieger, die sich im Minutentakt über uns hinweg im Landeanflug befanden. Fotos davon gibt es keine, der bescheidene Versuch von vor zwei Jahren war Lehre genug :-)

Natürlich gibt es auch Schwerverkehr ...
... die gigantische Øresundsbron ...
... und ein großer Windpark

Und dann sind wir fest in Skanör, am südöstlichen Zipfel des Øresund, oder sind wir schon in der Køge Bucht?
Jedenfalls, der krasse Gegensatz zu Kopenhagen. Dort Weltstadt, Hauptstadt Dänemarks, geschichtsträchtig, ziemlich angesagt. Hier Sandstrand, Dünen, eine Art Bottenseen. Es gefällt uns sehr.
Naturschwimmbad 
Naturreservat
Natürlich eine alte Windmühle
Natürlich gab es auch einen Gang ins nahegelegene Städtchen. Auf dem Rückweg serscheint der Blick auf den Hafen wie eine Allee von Segelmasten

Vorne (Pfeil) unser Liegeplatz, rechts das Fischgeschäft, u.a. gibt es ...
Signalkrabben und Matjes, dazu "Perlen von Laboe"

Natürlich durfte ein Strandspaziergang nicht fehlen.

Schöne Dünenlandschaft ...

... riesiger Strand, Wasser 21° C ...
... und Sonnenuntergang.
Gestern Stadt, heute Natur (naja, es gibt auch etwas Tourismus hier, aber alles ganz prima, uns gefällt's), Gegensätze, die wir genießen.


Tag 39 - Ein Fahrtensegler kreuzt nicht ...

... Außer im Øresund, wenn es keine Welle hat. Was für ein Tag! Aber von vorn:

Alles begann mit einem schönen Frühstück unter blauem Himmel im Cockpit. Wir hatten den Logenplatz für das Hafenkino. Es lief immer wieder derselbe Film, aber mit anderen Booten und Darstellern:
Fertigmachen zum Ablegen, aus der Box herausfahren, wenden, Leinen aufschießen, Fender einholen. Manche blicken noch einmal zurück und verabschieden sich gedanklich, andere schauen nur nach vorne, als hätten sie schon vergessen, wo sie waren...

Gegen 10 Uhr gingen bei uns die Leinen los, noch vor Schloss Kronburg wurden die Segel gesetzt und hoch am Wind ging es bei 3 bft und unwesentlicher Welle auf die Kreuz. Eine halbe Stunde lief der Motor noch mit, bis der Wind auf 9 kn zunahm, die wir in 5 kn Fahrt umsetzen konnten. So ging es den Sund hinunter


Gegen 14 Uhr war der Wind auf 4-5 bft angeschwollen und bei 17 kn ging das erste Reff ins Großsegel. Schon um 14:30 wurde bei strammen 5 bft auf Reff 2 verkleinert, auch die Genua wurde zum Optimieren des Trimm etwas verkürzt.
Um 15:30 waren wir zurück bei 3-4 Windstärken, nun aber so nah am Ziel, dass der Motor anging und wir die restliche Strecke in die Einfahrt des Hafens von Kopenhagen motorten.

Enorm überrascht waren wir, als uns in der Hafeneinfahrt ein Flugzeug entgegenkam!

Es bog allerdings in einen für Schiffe gesperrten Bereich ab um zu starten

Die Kaimauer links wird unser Liegeplatz - Anlegeschwung vor der Amalienborg

Den Stromanschluss gefunden!
(BTW: Neuer Haarschnitt gestern in Helsingør)

Amalienhafen. Hinten links wir, vorn und rechts entspanntes Sommerfeeling

Obwohl wir nur bei dem Gedanken an unseren Kopenhagen-Besuch vor zwei Jahren  schon ein leichtes Ziehen in diversen Beinmuskeln verspüren, ist klar, dass noch ein kurzer Stadtbummel sein muss.

Und auch klar, der Weg geht vom Amalienhafen durch die Amalienborg.

Dann hinüber zum Nyhafen

Offensichtlich gibt es auch im Nyhafen viele sich Liebende,
die dies per Schloss zum Ausdruck bringen

Kunsthal Charlottenborg - Ai Weiwei, Soleil Levant, 2017


Natürlich müssen wir noch die Trangraven Marina besuchen, dort lagen wir vor zwei Jahren

Die neue Fußgänger-Und-Radfahrer-Klapp-Brücke mit Blick in den Christianshavn

Die Drei-Wege-Brücke. Geradeaus nach hinten lagen wir vor zwei Jahren

Zurück im Boot liegt gegenüber die Oper im "Abendkleid"

Wir sind dem Gegenwind dankbar, der verantwortlich für die Kreuz war. Denn, so heißt es, Kreuzen braucht doppelten Weg und vierfache Zeit. Bei uns war es heute nicht so extrem, da es im Sund nicht so viel Welle gab. Aber dennoch, bei halbem Wind wären wir viel schneller voran gekommen und wären vielleicht an Kopenhagen vorbei gefahren und hätten dann viele Erlebnisse verpasst...



Tag 38 Stehtag in Helsingør

Das hat sich gelohnt! Wir haben mehr als einen halben Tag im Schloss Kronborg verbracht. Sehr beeindruckend und ganz prima präsentiert.
Sogar zwei Zimmer für Kinder gibt es, in einem der beiden ist ein kleines Schloss aufgebaut, Kinder lernen darin spielend etwas über Schloss Kronborg. Im zweiten Zimmer gibt es Maltische und einen riesigen Tisch mit Lego-Bausteinen.

Eine kleine Auswahl des Gesehenen hier:

Brigitta macht das, was der König in diesem Zimmer tat:
Entspannen, ausruhen, lesen
Der größte Bankettsaal Nordeuropas.
Wir schätzen, so ca. acht Reihenhäuser passen hier schon hinein ...
Tolle Ausblicke vom Kanonenturm, die sich allerdings über 145 Stufen erarbeitet wurden.
Hier der Yachthafen, unsere Little Wing liegt, wie oft, auf dem 'quick in, quick out' Platz.
(rechts neben dem riesigen Motorboot)

Was für eine Lage! Helsingør liegt an der engsten Stelle des Sund,
gegenüber Schonen mit Helsingborg, seinerzeit ebenfalls dänisch;
so konnte man 300 Jahre lang von jedem Schiff, das den Øresund
durchfuhr, Zoll abkassieren.
Schloss Kronborg wurde komplett durch diese Zölle erbaut und erweitert.
Auf dem Heimweg zum ging es erst beim Frisör und dann bei "Hamlets Grab" vorbei. Wir fanden gemäß Stadtplan und Google Maps diesen Stein


Es gab keine erklärende Tafel und wir können uns daraus noch keinen Reim machen. Wird noch etwas zu recherchieren sein.

Und dann noch dies auf dem Rückweg zum Boot:
Fahrradständer mit Regenschirm für den Sattel.
Was will man mehr
Und ganz zum Schluss:

Aufgehender Vollmond über Helsingborg